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Stilfiguren als Interaktion rhetorischer Tugenden
Als übergeordnete Tugend fordert das aptum-Prinzip, die Stiltugenden wie
perspicuitas, brevitas, latinitas in möglichst hohem Maße zu erfüllen. Diese Stilforderungen stehen jedoch in Konflikt zueinander. So erfüllen Kürzungsfiguren zwar das Gebot der brevitas, kommen jedoch gleichzeitig dem Gebot
der perspicuitas nicht in vollem Maße nach. Wiederholungsfiguren dagegen können die perspicuitas erhöhen, verstoßen aber gegen die Forderung nach brevitas. Grundlage für die Bestimmung der optimalen Stilfigur im konkreten Einzelfall ist eine
Hierarchie der Stilforderungen. Diese Hierarchie variiert je nach historischem
und gesellschaftlichem Kontext sowie den formalen Rahmenbedingungen und den
verfügbaren Kommunikationsmedien. Die Rekonstruktion der Hierarchie und ihre
heuristische Funktion wird an einzelnen Beispielen vorgeführt.
Der vir bonus als Selfmademann. Die Trainingsmethode von Dale Carnegie
Dale Carnegie (1888-1955) ist einer der Pioniere des modernen Trainingswesens.
Der von ihm entwickelte Dale-Carnegie-Course wird bis heute in unveränderter Grundkonzeption in über 75 Ländern erfolgreich angeboten. Die zugrunde liegende Methodik ist auf den ersten
Blick unrhetorisch: Carnegie setzt nicht vor allem auf technische Anweisung,
sondern auf Veränderung der inneren Haltung. Mit Empfehlungen wie „Versuchen Sie aufrichtig die Dinge aus der Sicht des anderen zu sehen.“ oder „Sprechen Sie vor allem von Dingen, die die anderen interessieren.“ werden die Teilnehmer ermuntert, Haltungen einzunehmen, die rhetorischen Erfolg
in Rede und Gespräch wahrscheinlicher machen. In diesem Vortrag werden die Vorteile und Grenzen
des Ansatzes diskutiert.
Augenkitzel im Fernsehen. Was die Ästhetik der Nachrichten über den ‘Charakter’ der Benachrichtigungsinstanz verrät
Das Fernsehen setzt gerne auf stilistische Effekte, um den Zuschauern so gefällig die Augen zu ‚kitzeln‘, dass sie fasziniert am Ball bleiben und ihre Aufmerksamkeit ganz auf das
Programm richten. Besonders in den 1990er Jahren schwebten und glänzten Logos und Key Visuals auf der televisuell endlos bespielbaren Bildschirmfläche nur so um die Wette. Was aber erscheint für ein seriöses Format wie die Fernsehnachrichten als stilistisch angemessen? Worin liegen
die rhetorischen Potentiale der Nachrichten-Ästhetik? Der Beitrag befasst sich mit den Formen und Funktionsmöglichkeiten des aktuellen News Designs. Dabei stellt sich heraus, dass die
stilistische Oberfläche besonders wichtig für die Charakterisierung der Benachrichtigungsinstanz ist und damit weniger der
Information als vielmehr der Imagekonstruktion dient.
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Wendenburg, Ulrike
Karl-Theodor zu Guttenbergs rhetorische Schadensbegrenzung
Der ehemalige deutsche Minister für Verteidigung Karl Theodor Maria Nikolaus Johann Jacob Philipp Franz Joseph
Sylvester Freiherr von und zu Guttenberg ist über seine plagiierte summa cum laude Dissertation gestolpert. Auf Druck der
Medien und der Öffentlichkeit nimmt er zu den „Plagiatsvorwürfen“ Stellung. Zwei Wochen lang, bis in die letzten Worte seiner Rücktrittsrede am 1. März 2011, inszeniert sich der christlich-konservative Shootingstar als Politiker
tadelloser Sittlichkeit, der zwar Fehler in seiner Dissertation einräumt, sich jedoch keiner absichtlichen Täuschung bewusst ist.
Narration als identitätsstiftende rhetorische Strategie
Seit den 1990er Jahren werden in Unternehmen, mittlerweile aber auch in der
Politik und in anderen Bereichen des öffentlichen Lebens, Erzählungen strategisch eingesetzt. Gegenwärtig wird diese Methode überall dort verwendet, wo es um Kommunikations- und Veränderungsprozesse geht. Wie aber müssen solche Erzählungen beschaffen sein, damit sie wirksam werden können?
Im Beitrag soll das Storytelling aus einer rhetorischen Perspektive beleuchtet
werden. Die narrative Methode bedarf, so die These, einer rhetorischen
Strategie, um aus Unternehmen, Produkten und Personen eine einmalige und
unverwechselbare Persönlichkeit zu machen, die Zielgruppen effizient und langfristig zu binden vermag.
Stilbruch - rhetorisch
Seit der Emanzipation der Ästhetik von der Rhetorik ist der Stilbruch in den autonomen Künsten zum Stilprinzip avanciert. Wie aber steht es heute um den Stilbruch in der
heteronomen, seit je lizenzarmen Redekunst? Nach einem kurzen Überblick über Konzepte und Präzepte des Stilbruchs in der klassischen Rhetorik wendet sich der Vortrag der
Frage zu, ob dieses vitium elocutionis unter Umständen auch eine persuasive virtus sein kann, und wenn ja, welches ihre
Gelingensbedingungen sind.
Rhetorik in der Gerichtsverhandlung - vom sachlichen Stil zum emotionalen Ausdruck
Wer an einer Gerichtsverhandlung teilnimmt, kann unterschiedliche Formen des
sprachlichen Stils erleben: Auf der einen Seite regelt die Prozessordnung einen
strengen Ablauf des Verfahrens und stellt den sachlichen Vortrag in den
Vordergrund. Auf der anderen Seite wollen die Parteien und ihre Anwälte Recht haben oder zumindest Recht bekommen: eine spannungsgeladene
Redesituation mit emotionalen Wortgefechten.
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