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Alles nur ein Witz! Überlegungen zum Zusammenhang von Humor, Stil und Rhetorik
Schon in der antiken Rhetorikliteratur bei Cicero und Quintilian begegnet Lachen
und Witz als rhetorisches Instrument. Neben Hinweisen darauf, wann Humor als
rhetorische Strategie Sinn haben kann, findet man hier auch schon erste Ansätze einer Klassifikation von „Humorstilen“, an deren Spitze bei Quintilian der „Witz des vir bonus“ steht, die urbanitas.
Der Vortrag nimmt die antike Theorie zum Ausgangspunkt, gleicht sie sorgsam mit
modernen Forschungsergebnissen ab und versucht, folgende Fragen zu beantworten:
Wann kann Humor als Teil rhetorischen interpersonalen Agierens sinnvoll sein?
Wann ist Humor keinesfalls als Persuasionsinstrument zu verwenden? Welche „sozialen Schutzräume“ gibt es für Humor und welche „sozialen Schutzräume“ schafft Humor? Wie steht es um Humor als Kunst- und Kritikform? Welche
Erscheinungsformen von Humor („Humorstile“ der Rede) gibt es überhaupt bzw. inwiefern ist Humor „stilvoll“? Welche Konsequenzen folgen aus der „humoristischen Argumentation“ für das Ethos des Redners?
Die vorzustellende Thematik gibt einen Einblick in die gemeinsame
Lehrveranstaltung der Vortragenden am Seminar für Allgemeine Rhetorik, Eberhard Karls Universität Tübingen im SoSe 2011 (Proseminar: „Kleiner Scherz...“ - Humor als rhetorische Strategie).
Erzählen als rhetorisches Handeln
Die rhetorische Auswirkung des Erzählens wird schon von den Rhetorik-Theoretikern der griechisch klassischen Zeit
erkannt, und dihegesis bzw. narratio ist ein häufig vorkommender Bestandteil von überzeugenden Reden. Erstaunlicherweise werden jedoch heute pragmatisch
orientierte Untersuchungen der Erzählung weder in den speech act theories noch in der post-strukturalistischen Erzähltheorie systematisch geführt. Doch auch das Erzählen ist ein Sprachspiel, das mit den unterschiedlichsten illocutionary points
verknüpft werden kann: etwa belehren, einschüchtern, prahlen, und eben auch überzeugen. Wie die Erzählung Vorstellungen, Meinungen und Handlungen der Rezipienten zu beeinflussen
vermag, möchte ich in meinem Beitrag zu zeigen versuchen.
„Speaklimbic!“ Verändern Erkenntisse der Hirnforschung die Arbeit des Rhetoriktrainers?
Überzeugen in 60 Sekunden - Stilmittel aus der Radiokommunikation im rhetorischen
Alltag
In seinem Vortrag »Überzeugen in 60 Sekunden« stellt Helbig stilisitische Mittel der Radiokommunikation einfach und verständlich vor und überträgt deren Wirkungsweisen in den rhetorischen Alltag der Zuhörer.
Stilmittel der Markenkommunikation vermischen sich in einem pragmatischen Ansatz
mit den »Klassikern des rhetorischen Handwerkszeug«.
Im Vordergrund steht der klare Nutzwert und die Ermutigung der Teilnehmer
intensive und starke stilisitische Mittel selbst anzuwenden.
Zu diesem speziellen Thema referierte Helbig u.a. im Rahmen des Studiums
Generale der Universität Stuttgart und für Dokotaranden der Graduate School of Excellence advanced Manufacturing
Engineering.
Captatio benevolentiae - Berühren mit dem Wort
Die meisten rhetorischen Stilfiguren sind aus einem vorwiegend emotionalen
Anliegen des Redners heraus entstanden. Sie lassen spürbar erkennen, mit welcher
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Intention und Intensität der Sprechende seinen Inhalt vermitteln will. Stets jedoch ist es sein unverrückbares Ziel, den Zuhörerkreis geistig oder emotional zu erreichen.
Unter den rhetorischen Stilfiguren nun nimmt die „captatio benevolentiae“ eine besondere Rangordnung ein. Dies deshalb, weil sie zum einen in den letzten
Jahrzehnten eine funktionale und damit eine Bedeutungserweiterung erfahren hat,
nämlich: Ihr Auftrag, das Wohlwollen des Publikums zu gewinnen, ist nicht mehr nur
auf die Einleitung, auf das Prooemium, begrenzt, sondern er erstreckt sich auf
die generelle Bindungsabsicht gegenüber dem Zuhörerkreis.
Zum anderen wird die Verwendung der captatio benevolentiae von einem skeptischen
und intellektuell autonomen Publikum eher kritisch betrachtet, weil dem Redner
zunächst eine manipulativ-persuasive Absicht unterstellt wird. Umso mehr wird es
daher die Aufgabe des Redners sein, das sprachliche Profil seiner Darbietung so
zu gestalten, dass sein Wunsch nach Nähe als echt erkannt und ihm auch deshalb geglaubt wird.
In Platons Dialog „Phaidros“ lesen wir, dass die Redekunst eine Seelenführung (psychagogia) sei. Mit dieser Bewertung wird dem Redner nicht nur die
sittliche Verpflichtung auferlegt, das Publikum in moralisch
verantwortungsvoller Weise anzusprechen, so dass seine Rede nicht zu einer
Ver-Führung werde! Diese sittliche Haltung des Redners beantworten die Zuhörer wiederum dadurch, dass sie ihm gern und freiwillig die überzeugend wirkende Authentizität bestätigen.
Hierbei spielt das Berührtwerden mit dem Wort die entscheidende Rolle. Seine empathisch gewählte Sprache und seine persönlichen Identifikationsangebote werden dem Sprechenden den Zugang zum Publikum öffnen, von dem er sich schließlich Zuwendung und Zustimmung erhofft. Damit wird die captatio benevolentiae über ihren methodisch stilfigürlichen Status hinausgehoben und zu einem emotionalen Begegnungsraum erweitert,
in dem sich die Intention des Redners mit den Erwartungen des Publikums zu
einer menschlich gelungenen Synthese vereinigt.
Cicero und der Irrsinn seiner Gegner
Die Reden des M. Tullius Cicero gelten mit Recht als Höhepunkt der römischen Beredsamkeit. Wie vereinbart sich damit die Beobachtung, dass Cicero
seine Gegner (unter ihnen Catilina, Clodius und Antonius) gerne mit dem
Attribut verrückt (furiosusu.ä.) versieht und sich einer Strategie bedient, die nach heutigen Maßstäben zumindest die Regeln des politischen Anstands verletzt? Das Referat
skizziert an einigen Beispielen Ciceros Vorgehen und fragt nach dessen
Rechtfertigung.
Stil als Botschaft im Brief (Mozart, Einstein, Bernhard)
In dem Vortrag geht es um die Frage, wie Stil als Kommunikationsfaktor in berümhten Briefen wirksam wird. Als Beispiele werden Briefe des Komponisten Wolfang
Amadeus Mozart, des Physikers und Nobelpreisträgers Albert Einstein und des österreichischen Dichters Thomas Bernhard gewählt.“
Stil in der Rede, Stil im Kunstwerk. Zu den Wechselwirkungen zwischen
rhetorischer und künstlerischer Formensprache
In der Stilkritik der klassischen Rhetorik spielen Vergleiche mit künstlerischen Phänomenen eine große Rolle; läßt sich doch mit Verweisen auf allgemein bekannte, klassische Kunstwerke die
komplexe Eigenheit eines vergangenen Orators auf anschauliche, leicht eingängige Weise veranschaulichen.
Dieser Beitrag wird die Gegenprobe vornehmen: So soll an Statuen des 1. Jhs. v.
Chr. gezeigt werden, wie die zeitgenössischen stilkritischen Fragestellungen ihrerseits wieder neue Stile generieren,
die uns heute zunächst ästhetisch fremd scheinen. Tatsächlich verbirgt sich hinter den meist als ‘eklektisch’ abgetanen Werken aber eine im damaligen Kunstbetrieb höchst erfolgreiche Formensprache, die eher als eine ästhetische Aktualisierung klassischer Formenideale zu werten ist denn als
bewusst eklektisches Verfahren.
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